"Der Frühling kommt, der Himmel lacht, es steht die Welt in Veilchen...“

Theodeor Storm

 

Endlich sind sie da - die zarten blauen Farbtupfer, welche die ersten Frühlingsgefühle aufkommen lassen. Jedes Jahr freue ich mich aufs Neue, wenn sich das kleine März-Veilchen als eine der ersten Blumen  im Frühling unter der Erde hervorwagt. Und meistens kommt es nicht alleine, sondern überzieht in einem lila Blütenteppich die Wiese mit seiner wunderschönen  Farbe und seinem lieblichen Duft.

Das echte wohlriechende Veilchen (Viola odorata) war schon immer ein Symbol für den Frühling, zu dessen Begrüßung der gesamte Wiener Hof jedes Jahr in die Donauauen spazierte, und das sittsamste Mädchen durfte das erste Veilchen-Sträußchen pflücken. Selbst Kaiserin Elisabeth von Österreich konnte dem Charme des Blümchens nicht widerstehen und erlaubte sich in ihrer strengen Diät lediglich Veilchensorbet, Orangen und ein paar kandierte Veilchen. 

 

Der Duft der Liebe

Im antiken Griechenland pflegte man ganze Gärten voller Veilchen, den  „Blumen der Liebe“, die Persephone, der Göttin der Fruchtbarkeit geweiht waren. In der römischen Mythologie erschlich sich der Gott Vulkan durch ein Veilchen einen Kuss der bezaubernden Venus und der unsagbar hässliche Hephaistos, Gott des Feuers und der Schmiede, betörte die schöne Aphrodite mit Veilchenduft. Damit eingerieben, verführte er die schöne Göttin dazu, ihn zu ehelichen. Hat er damit etwa gar das erste Männer-Parfum erfunden? Jedenfalls war Veilchenduft einer der ersten, der synthetisch hergestellt wurde: 1898 kommt das erste, synthetische Veilchenparfum auf dem Markt und wurde ein voller Erfolg. 

Von vielen Dichtern besungen erlag auch Napoleon Bonaparte dem Zauber der anmutigen Blume. Er schenkte seiner Gattin Josephine, die ihn in einem veilchengeschmückten Kleid geheiratet hatte, zu jedem Hochzeitstag einen Strauß Veilchen, selbst als er auf den  Schlachtfeldern in weiter Ferne war.  Nach seinem Tod  fand man bei Napoleon  ein Medaillon mit einer Locke von Josephine zusammen mit Veilchenblüten von ihrem Grab.

Botanisch tragen die lieblichen Pflanzen den Namen Viola odorata. Viola ist die lateinische Bezeichnung für mehrere Pflanzen, meist mit duftenden Blüten, odorata bedeutet duftend.

 

Kleine Blume - große Kraft

Für die Heilanwendungen verwendet man das Duftveilchen. Wenn es nicht duftet handelt es sich wahrscheinlich um das verwandte Hundsveilchen (Viola canina). Durch die abschwellenden, entzündungshemmenden, schmerzlindernden, antibakteriellen und muskelentspannenden Inhaltsstoffe hat das Veilchen eine lange Tradition als Hausmittel bei Husten, der sich zäh seit dem Winter hält, bei Keuchhusten und Frühlingserkältungen. Dabei wird der Tee aus den frischen Blüten und Blättern oder der Veilchensirup verwendet.  Veilchenessig oder die Veilchensalbe kann als Mittel gegen Kopfschmerzen eingesetzt werden. 

 

Veilchensalbe

Die Veilchensalbe ist eine Universal-Salbe zur Anwendung auf die Haut, welche eine lange Geschichte in der Naturmedizin aufweist und sich besonders wegen seiner heilenden und pflegenden Wirkung auf die Haut auszeichnet. Sie wird aber auch traditionell angewendet bei einer Vielzahl von äußerlichen und innerlichen Beschwerden, denn die ätherischen Öle des Veilchens haben antivirale (gegen ein Virus), antiseptische (gegen Keime), antimikrobielle (gegen Krankheitserreger/Mikroorganismen) und antimykotische (gegen Pilze) Wirkung. Die im Veilchen enthaltene Salicylsäure hat zudem entzündungshemmende und antibakterielle Eigenschaften.

Schon Hildegard von Bingen war die Heilkraft des Veilchens bekannt:

„Wer Kopfweh hat, der salbe mit dieser Salbe die Stirn in der Quere, und es wird ihm besser gehen. Aber auch wer irgendwelche Geschwüre in seinem Körper hat, der verwende diese Salbe. Und wo der Krebs und andere Würmer einen Menschen das Fleisch zerfressen, soll darüber gesalbt werden, und die Würmer werden sterben, wenn sie davon gekostet haben.“

     Veilchensalbe     

     nach Hildegard von Bingen     

   

Im original Rezept der Veilchensalbe nach Hildegard von Bingen wird noch Ziegenfett verwendet. Alternativ kann Schweineschmalz verwendet werden. 

Zutaten:
1/4kg Ziegenfett / Schweineschmalz    
6 EL Veilchenblüten

Herstellung: Das Schmalz am Herd erwärmen, sobald es flüssig ist die Veilchenblüten hineingeben.  Den Topf vom Herd nehmen und  1 bis 2 Tage an einem kühlen Ort rasten lassen. Danach erneut am Herd erwärmen bis das Schmalz flüssig ist, danach durch ein Sieb abseihen, dabei die Veilchenblüten fest auspressen. Danach in Gläser füllen und fertig ist die Veilchensalbe.

Rezept ohne Ziegenfett

Zutaten:
20 g Märzveilchen
20 g Mandelöl
10 g Johanniskrautöl
5 g Bienenwachs
Echtes ätherisches Rosenöl 

Herstellung: Veilchenblüten an einem trockenen Tag ernten. Etwas anmörsern oder grob zerkleinern. Und mit dem Öl im Wasserbad oder im  Salbenöfchen mindestens 30 Minuten lang erwärmen und ziehen lassen. Diese Prodzedur  über 1-2 Tage lang immer wieder wiederholen. Wenn alle Pflanzeninhaltsstoffe ins Öl übergegangen sind, die Pflanzenteile abseihen und das Bienenwachs im Öl schmelzen, Johanniskrautöl zugeben und zum Schluss noch 1-2 Tropfen ätherisches Rosenöl hinzufügen.Die Salbe in sterile Gläser abfüllen und nach dem Abkühlen und Aushärten verschließen. 

 

Kulinarisches Highlight

Das Veilchen ist aber nicht nur eine Blume, die voller Heilkraft steckt, es lassen sich auch viele Leckereien aus dem zarten Blümchen herstellen: Blütensirup, Veilchengelee, kandierte Veilchen, Tinktur, Veilchenessig und vieles mehr. Wenn ihr für Veilchensirup oder Veilchenessig weißen Zucker und hellen Essig verwendet, geht die wunderschöne, blaue Farbe darin über und wird auf jedem Teller zum Hingucker!

Veilchenessig

  • neutraler Essig wie Reiswein- oder heller, milder Balsamico-Essig
  • Veilchenblüten

Die Veilchen in ein verschließbares Glas geben und so viel Essig zugeben, bis die Veilchen bedeckt sind. Das Ganze auf der Fensterbank 24h bis 2 Wochen stehen lassen, dabei täglich schütteln. Die tolle Farbe ist bereits nach einem Tag in den Essig gewandert.  Anschließend die Blüten abfiltern und den Essig in eine Flasche füllen.Je länger der Essig zieht, desto eher nimmt er den Geschmack der Veilchen auf. Ein besonderer Essig für blumige Salate und die Wildkräuterküche und ein echter Hingucker, wenn man einige Tropfen dekorativ in und um den Salat träufelt.

 

„Still für sich und doch für mich blüht das kleine Veilchen."

Rainer Maria Rilke

 



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