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Die Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata) - sanfte Schwester des Bärlauchs

Bei meinen letzten Spaziergängen ist mir die Knoblauchsrauke häufig "über den Weg gelaufen" - ein Kräutlein, dass oft übersehen und wenig genutzt wird. Schade, denn nicht nur in der Küche kann die Knoblauchsrauke punkten, auch als Heilkraut ist sie zu Unrecht in Vergessenheit geraten. Höchste Zeit, sie euch hier vorzustellen!

Man findet sie recht häufig an halbschattigen Plätzen, unter Hecken, Büschen und an Waldrändern. Gerne wächst sie in Gesellschaft von Brennnesseln, da sie wie diese stickstoffhaltige Erde bevorzugt.

Oft kommen ihre ersten herzrunden, leicht gezackten Blätter schon im Februar aus der Erde. Zerreibe doch mal eines der Blättchen. Wenn es dann nach Knoblauch duftet, dann hast du eine Knoblauchsrauke entdeckt. Aber nicht nur im Geruch, sondern auch geschmacklich ähnelt die Knoblauchsrauke dem Knoblauch. Sie schmeckt allerdings nicht ganz so intensiv, dafür hat sie eine leichte Bitternote.

Mittlerweile steht die Pflanze aber schon in voller Blüte, welche meist bis Juni anhält. Die vier weißen Blütenblätter und der scharfe Geschmack, der durch die enthaltenen Senföl-Glycoside entsteht,  verraten, dass die Knoblauchsrauke zur Familie der Kreuzblütler gehört, wie z.B. auch das Hirtentäschel, unser Gartenradieschen, der Brokkoli oder alle Kohlsorten.

Im Mittelalter wurde die Knoblauchsrauke mit Absicht in den Gärten angebaut. Die arme Bevölkerung, die sich Salz und andere teure Gewürze nicht leisten konnte, verwendete sie zum Würzen, zum Beispiel um eintönige Gerichte schmackhafter zu machen. Ihre scharfen Samenkörner verwendete man als Pfefferersatz oder machte Senf daraus. Die vitaminreichen Blätter gehörten auch traditionell mit in die Kräutersuppen, die nach dem langen Winter wieder Kraft und Vitamine brachten.

Auch heute können wir die blutreinigende und verdauungsfördernde Wirkung der Knoblauchsrauke für eine Frühjahrskur nutzen und Gerichte mit ihrem  pfeffrigen Knoblauch-Geschmack aufpeppen.  Da sich ihr Geschmack beim Kochen leicht verflüchtigt, sollte man sie roh verwenden oder erst am Ende beim Kochen zugeben.

Verwenden kannst du alle Teile der Pflanze: Blätter, Blüte, Samen, Wurzel.

Am intensivsten im Geschmack sind die Blätter, welche  im ersten Jahr die typische Blattrosette  bilden. Im zweiten Jahr treibt die Pflanze dann einen bis ca. 50-80 cm hohen Stängel mit mehr zugespitzten Blättern, deren Aroma nicht mehr ganz so stark ist. Zur Zeit der Blüte und danach kann man die Knoblauchsrauke noch essen - ABER: die Blätter verlieren an Geschmack, denn mit der Blüte fließen die  Inhaltsstoffe der Pflanze in die Blüte und die darin in  Entwicklung befindlichen Samenanlagen. Die Blüten schmecken nun deutlich schärfer als die Blätter. Wer es besonders scharf mag, sollte die grünen Samenschoten probieren, die man ein paar Wochen nach der Blüte ernten kann. Sie schmecken wie eine Mischung aus Kresse und Pfefferoni und machen in Öl eingelegt, dieses zu einem echten Scharfmacher. Die schwarzen ausgereiften Samen sind  in der Pfeffermühle als „Wilder Pfeffer“ ein tolles Gewürz. Man kann auch Senf aus ihnen herstellen oder sie im nächsten Winter als vitaminreiche Sprossen keimen lassen. Die Wurzel der Knoblauchsrauke schmeckt ähnlich wie Kren. Sie sollte geerntet werden, bevor die Pflanze im zweiten Jahr ihren Stängel austreibt. 

Heilwirkungen der Knoblauchsrauke

Heute ist die Knoblauchsrauke als Heilkraut in Vergessenheit geraten, doch früher war sie auch wegen ihrer Heilwirkungen geschätzt. Ihre antibiotische Wirkung entfaltet sie dabei sowohl bei äußerlicher als auch innerlicher Anwendung. Als Tee oder Frischsaft kann sie bei Erkrankungen der Atemwege helfen, sie wirkt  schleimlösend, außerdem leicht harntreibend und blutreinigend. Eine Umschlag mit gequetschten Blättern hilft bei schlecht heilenden Wunden und Insektenstichen, die Tinktur kann bei Zahnfleischentzündungen verwendet werden. Da die Wirksamkeit schnell nachlässt, sollte man für solche Anwendungen nur frische Pflanzen verwenden.

Bei eurem nächsten Spaziergang haltet Ausschau nach dieser Pflanze und genießt, wieder zu Hause, ein Butterbrot mit klein geschnittener Knoblauchsrauke. Vielleicht schmeckt sie euch ja genau so gut wie mir - euer Körper wird sich auf jeden Fall über diese Kost freuen!

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